Redaktion: Ein neues Programm der CCC feiert Premiere – wie ist „Welterfolge“ entstanden?
Alfons: Nun, die Programme „Achdieschonwieder“ und „Best Of“ laufen seit 1996/1997, da wurde es einfach Anfang 1998 Zeit, an die Vorbereitungen für ein neues Programm zu denken. Wir haben einfach angefangen – wie auch schon zu den anderen Programmen – Stücke zusammen zu tragen, zu arrangieren und zu erarbeiten. Das läuft dann so ab, dass meistens der Arrangeur einen neuen Titel mit in die Probe bringt, und dann geht’s ans Arbeiten. Oder wir stellen einfach fest: „Mensch, toller Song, der da jetzt in den Charts läuft ! Den müssen wir unbedingt im Programm haben.“ Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, einen Wunschtitel zu benennen, wie z.B. Michael mit seiner Howard- Carpendale- Nummer. So kommen nach und nach die Songs zusammen. Ein einziges Mal haben wir ein Stück heraus genommen, weil es mit den Stimmen allein im Vergleich zum Original musikalisch nicht umzusetzen war, oder der Aufwand nicht zu rechtfertigen gewesen wäre.
Markus: Das Arrangieren selbst, also das Umsetzen irgendeines beliebigen Musikstückes für 6 Stimmen a-capella ist im Prinzip eine ganz einfache Sache: weil es natürlich für die Sachen, die wir brauchen, kein vernünftiges Notenmaterial zu kaufen gibt, legt man die entsprechende CD in den CD-Player, setzt sich den Kopfhörer auf, und fängt an, die ganze Struktur des Stückes erst mal aufzubröseln. Dann sucht man sich am Klavier oder am Keyboard die Töne und Harmonien zusammen, und versucht das Ganze am PC in ein entsprechendes Notenbild zu bringen. Dabei muss immer mit überlegt werden, welche Stimme von uns wie und wo am besten wirkt, wie der Charakter des Stückes am besten erhalten bleibt oder auch gezielt verändert werden kann. Das erfordert schon eine Menge Arbeit, zumal wir das alle nicht studiert oder schulmäßig erlernt haben. Manche Arrangements werden dann in den Proben noch etwas verändert oder weiter entwickelt. Auf diese Weise entsteht eigentlich alles, was wir auf die Bühne bringen.
Der Titel „Welterfolge“ selbst ist zum einen Programm, weil wir wirklich deutsche und internationale Kracher bringen, zum anderen auch satirische Hommage an die immer zu Weihnachten auftauchenden Platten und CD’s mit diesen einschlägigen Titeln: „… singt seine Welterfolge“ oder „Ihre größten Erfolge“ usw. Präsentiert wird die Show innerhalb einer durchgängigen Rahmenhandlung mit ausreichend Spaßfaktor.
Redaktion: Was wird eigentlich aus den alten Songs der CCC, z.B. „Bohemian Rhapsody“ von Queen oder Sinatras „My Way“ – die können doch nicht einfach in der Versenkung verschwinden ?
Alfons: Die verschwinden auch nicht in der Versenkung ! Es ist nur so: ein neues Programm ist nur dann neu, wenn neue Stücke kommen. Deswegen wollten wir da jetzt nicht einfach wieder Sachen reinpacken, die wir schon vor fünf oder sechs Jahren einstudiert haben. Aber wir haben natürlich nach wie vor Termine, bei denen die Programme „Achdieschonwieder“ und „Best of“ laufen, oder Kurzauftritte, bei denen wir z.T. auch auf die alten Sachen zurück greifen. Die guten Stücke werden wir also nicht einstampfen, das wäre ja viel zu schade, zumal wir sie selbst viel zu gerne singen.
Markus: Trotzdem stecken wir in einer Art Dilemma. Wir standen derart unter kreativen Druck, dass wir für dieses komplett neue Programm „Welterfolge“ schließlich 15 neue Stücke zusammen hatten. Das ist „‚ne Menge Holz“, erst recht für Laien. Da lässt es sich kaum vermeiden, dass mit Auslaufen der alten Programme manche Sachen in Vergessenheit geraten. Das war auch schon bei den allerersten Programm so., dass wir solche „Bringer“ wie „He ain’t heavy“ danach nie wieder gesungen haben. Das ist zwar schade, lässt sich aber kaum vermeiden.
Redaktion: Zwar ist die CCC-Hochburg weiterhin der Osnabrücker Raum, aber auch in 200 oder 300 km Entfernung bilden sich Fan-Gemeinden. Ist das z.B. als hauptberuflicher Gärtner oder Computer-Fachmann überhaupt noch zu schaffen ? Kommt bald der Wechsel ins Voll-Profilager ?
Ulli: Ich glaube, wir kämpfen jetzt schon 10 Jahre erfolgreich dagegen, Profis zu werden. Ich sehe das nach wie vor so, dass Singen in dieser Form im Amateur Status sowieso mehr Spaß macht, als sein Geld damit verdienen zu müssen.
Alfons: Ich denke, ins Profilager gehen heißt auch : morgen in München, übermorgen in Wiesbaden usw. In jedem Fall ist dann Kofferleben angesagt. Und ehe man es merkt, ist man dann nicht mehr richtig drin im Familienleben, lebt irgendwo für sich. Die Gefahr ist mir persönlich zu groß, womöglich so mit allem zu brechen.
Michael: Solange wir uns als Gruppe so gut verstehen, und wenn jemand für uns ein professionelles Tour-Management machen würde, hätten wir wahrscheinlich auch deutschlandweit keine Probleme, die Hallen – erst kleinere, dann größere – zu füllen. Da bin ich mir sicher.
Markus: Aber das ist eben die Grundvoraussetzung für unsere Bühnenshow: dass wir uns gut verstehen, permanent. Und unser Vorteil ist in meinen Augen, dass wir uns eben „nur“ zweimal zur Probe in der Woche sehen, und am Wochenende zum Auftritt. Wir klucken privat gar nicht soviel zusammen. Dann kommen die Reibereien wegen Nickeligkeiten auch gar nicht erst auf. Dauerndes Aufeinandersitzen würde einem wahrscheinlich ziemlich schnell auf die Nerven gehen, und dann kann Streit aufkommen. Dann wäre der Bühnenspaß irgendwann nur noch Fassade. Wer will denn so was ?
Redaktion: A-capella Gruppen gibt es viele, aber kaum eine erfährt soviel Publikumszuspruch wie die CCC. Was sehen Sie selbst als das Geheimnis Ihres Erfolges an ?
Hardy: Ich habe schon einige A-capella Gruppen gesehen und gehört. Und immer, wenn ich versuche, deren Erfolgsgeheimnis zu entdecken, dann kann ich im Vergleich zu uns immer wieder feststellen, dass die CCC so eine gewisse Ausstrahlung und Dynamik hat, die gefangen nehmen kann, und die eine Spannung erzeugt, die ich bei vielen anderen Ensembles eigentlich vermisse. Dazu kommen Hemdsärmeligkeit und Spontanität, auch wenn das Programm eingespielt ist. Es bleibt immer noch genug Raum für Impulsivität bei uns, und auch für Interaktion mit dem Publikum, die sehr sehr wichtig ist. Man muss immer versuchen, die Leute ein bischen mit einzubinden, eine gewisse Nähe zu schaffen, damit etwas überspringen kann. Manche guten Gags in der Show entstehen erst auf diesem Wege und bleiben dann im Programm, manche entpuppen sich aber auch als Eintagsfliege.
Ulli: Ich glaube, der Erfolg der CCC gründet darauf, dass wir sechs verschiedene „Typen“ sind und sechs verschiedene „Charaktere“ sind. Ali ist nicht durch einen anderen Ali nachzumachen. Markus ist Markus, und das wird vom Publikum auch so erkannt. Die persönlichen Stärken ergänzen sich so gut, dass jeder auch auf der Bühne einen gewissen freien Spielraum hat, so dass nicht alles nur einstudiert wirkt, sondern sich vieles auf der Bühne noch entwickeln kann. Manche Comedy-Einlage, die dazu kommt, entwickelt sich quasi aus dem Bauch heraus.
Markus: Das Publikum muß meiner Auffassung nach bei uns immer das Gefühl haben, dass das, was da auf der Bühne abläuft, ernsthafter Spaß ist. Es merkt uns immer an, dass wir selbst viel Spaß haben an dem, was wir machen. Es merkt auch, dass wir uns viel Arbeit damit machen, und dass wir bei allem Erfolg, den wir haben, immer noch „die netten Jungs von nebenan“ sind. Und das honoriert das Publikum eben.
Alfons: … die kannst Du auf der Straße ansprechen oder im Laden, mit denen kannst Du mal `nen Flachs machen, und die sind auf der Bühne genauso. Das ist etwas, was die Leute auch gut finden.
Redaktion: Erfolg beflügelt, macht kreativ und selbstsicher. Was liegt zwischen der CCC von vor zehn Jahren und der heutigen ??
Michael: Wenn man vor 10 Jahren, als man mit der CCC angefangen hat, gehört hätte, man sollte vor 2000 oder 2500 Leuten auf der Bühne stehen und etwas sagen oder etwas singen, wäre man wahrscheinlich nicht in der Lage gewesen, sich zu äußern. Mittlerweile ist das kein großes Problem mehr – wenn man erst mal „draußen“ steht.
Redaktion: Was hat sich ausserdem verändert ?
Alfons: Am Anfang war eine Situation, in die man sich einfach hineingeworfen hat. Man wusste gar nichts über Reaktionen, und man hatte keine großen Erwartungen und keinen Erwartungsdruck von außen. Mittlerweile ist der Druck von draußen einfach da, und er wird immer größer. Die Anspannung wächst, wenn ein neues Programm erarbeitet wird, weil das Publikum und auch wir selbst immer mehr Professionalität erwarten. Es waren ja auch 10 Jahre Arbeit. Man versucht immer noch mehr und noch besser zu sein, um nicht abzufallen. Das kennt man ja im Leben überall: wenn man irgendetwas gut macht, und beim nächsten Mal etwas weniger gut, dann ist man schon vergessen.
Markus: Ich weiß nicht, ob meine Persönlichkeitsentwicklung unmittelbar mit der Arbeit der CCC zusammenhängt. Innerhalb der letzten zehn Jahre gab es bei mir ganz entscheidende Phasen, die mich sicher auch persönlich verändert haben: Studienabschluss, berufliche Orientierung, Familiengründung. Inzwischen bin ich sehr viel ruhiger geworden, als bei den ersten Konzerten damals in der alten Kirche. Da war ich oft unzufrieden, habe mich über alles mögliche aufgeregt, und die ganze Truppe verunsichert. Heute bin ich mindestens so gelassen, wie die anderen auch. Insgesamt sind wir sicher etwas abgeklärter geworden. Nicht jeder falsche Ton oder jede kleine Panne führt gleich zu Schweißausbrüchen. Wir können unsere Kreativität, aber auch unsere Grenzen inzwischen sehr gut einschätzen. Wir haben unseren eigenen Weg jenseits der Frack-und-Zylinder-Gruppen und über den „Grünen Kaktus“ hinaus gefunden. Wir haben unseren eigenen Stil und Charakter entwickelt, und sind sehr zufrieden damit.
Redaktion: Vielen Dank für dieses Gespräch.
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