01.12.2003: Bersenbrücker Kreisblatt

Publikum singt die Schmerzensarie

Beim Konzert der Cale Copf Company fliegen die Kuscheltiere auf die Bühne

Die ausgestopfte Oberweite verrutscht. Sprung und hilfsbereit die Jungs im Hintergrund.

Ein entschlossener Griff und alle passt. Oder etwa nicht ? Zarah Leander jedoch verzieht keine Miene durch die ganz dunkle Brille und singt mit verrucht dunkler Stimme die alles entscheidene Frage: „Kann denn Liebe Sünde sein?“ Entsprechend herausfordernd ist das Benehmen der Schwedin. Ein nacktes (behaartes Männer-) Bein fliegt in Richtung Publikum, kurz hochgerissen der zu enge Rock. Die Stimmen-Band der Cale Copf Company aber wiegt die Dame in den höchsten Tönen, und ein Schneebesen rührt auf umgehängtem Bio-Mülleimer.
Die ca. 2000 Besucher im weiten Rund der Artland Arena brüllen vor Vergnügen. Diese Mischung aus Witz und musikalischer Alberei ist tatsächlich umwerfend komisch. Dabei könnten die sechs Herren hinsichtlich Musikalität und Gesangsakrobatik durchaus den Vergleich mit seriösen Ensembles wagen. Indes, ihre unbändige Lust an Beobachtung und Nachahmung menschlicher Schwächen und Allüren ist einfach nicht zu bremsen. Künstlerischer Ergebnis Klamauk vom Feinsten!
Kaum dass die Lachmuskeln sich vom Wiedersehen mit der verblichenen Schwedin erholt hatten, schlurfte das Ostfriesensextett auf die Bühne – in blauen Jacken oder gelbem Ostfriesennerz und Hühnern unter dem Arm. Ihr Palaver über die „Schubventionen“ zog und zog sich, Langeweile kam erstaunlicherweise dennoch nicht auf.
Gerade die nervtötende Langsamkeit , mit der die Pointen um „Kühe und Mühe“ … “Schweine und Scheine“ durchgekaut wurden, reizte schon wieder zum Lachen. Alles wirkte so spontan, wie augenblicklich erfunden. Technischer Ablauf und Timing waren hingegen perfekt kalkuliert. So versank selbst eine Allerweltsbanalität wie der Besuch beim Zahnarzt, nicht in pure Blödelei. Genüsslich stimmte das Publikum ein in die Schmerzensarie des Malträtierten: „Ahahah…“
Überhaupt das Publikum – bejubelt wurde , wer auch immer aus der Rock-, Pop- oder Showszene sich auf der Bühne sehen ließ. „Robby“-Rufe wurden mutig lauter, Kuscheltiere flogen durch die Luft, Feuerzeuge illuminierten das Dunkel, während der Frontman von „Take That“ sang, rockte oder mit den Zuhörerrinnen schäkerte.
Der Höhepunkt nahte. Ein Kleiderbügel wird zum Schlagzeug, die Company zur Brassband und Frankyboy säuselt im Sound der 50er sein berühmtes New York, New York“.
Ovationen am Ende für die Herren CaleCopf und sicherlich auch für die Veranstalter der Quakenbrücker Musiktage.

Bersenbrücker Kreisblatt: Margret Lejeune

 

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