Füllen die größten Arenen der Region: (v. l.) „Ali“ Sieckmann (49), Michael Wolf (50), Markus Weber (41), Ulli Pommer (44), Andreas Strotmann-Ruhe (44) und Jörg Hilpert (38).
Gegenseitige Sympathie & hoher Spaßfaktor
ON-Interview mit der Cale Copf Company (CCC) über
Höhenflüge, Fan-Liebe und „Gut’n Tach”
Von Werner Hülsmann
ON: „Gut’n Tach”, sechs Stimmen im Höhenflug ohne Talkshow-Animation, pralles Leben ohne Fan-Reklamation – weit entfernt von Ausverkauf und Sonderaktion. Könnte man, quasi im „Ihr seid Helden!“-Takt, so das Geheimnis des bodenständigen Cale-Copf-Kults umreißen?
Ulli: Nun mal langsam, wir kennen auch die Situation, vor gerade mal 18 Zuschauern zu spielen, darin enthalten: fünf Leute Thekenpersonal. Das ist schon lange her. Aber noch im Juli absolvierten wir ein Klassekonzert vor 95 „Begeisterten“ im westfälischen Lüdinghausen. Leider vergaß der Veranstalter, dass bereits Sommerferien waren. Gegen die 28 Grad Temperatur mit Sonnenschein, die eher zum Grillen einluden, konnte er nichts. Ich will damit sagen, dass wir auch diese Art Erfahrung ohne Druck hinnehmen, weil wir „Gott sei Dank“ nicht von der Singerei leben müssen.
Tausche alte Hits gegen neue Version, mit kesser Lippe gegen gelackte Weichspül-Lotion – auch im neuen Programm sorgt der gepflegte Hohn für perfekte Animation. Im Udo-Jürgens-Medley besingt z. B. ein vom Ökowahnsinn der Liebsten getriebener Ehemann seine BigMäc-Sehn- süchte. „Ich war noch niemals bei McDoof“ wird zum gefeierten Schwof. Heulender Howie, Musical-Streifzug – was wird besonders bejubelt?
Ali: Schwer zu sagen. Um ein Konzert kurzweilig und spannend zu gestalten, braucht man musikalische Höhepunkte, die das Publikum mit viel Beifall honoriert. Es braucht aber auch Songs, wo alle über den Text lachen, wie z. B. bei der „McDoof“-Nummer oder wenn Michael mit der neuen Howienummer alle in seinen Bann zieht. Die Leute haben Spaß daran und reagieren spontan mit Zurufen. Trotzdem glaube ich, das Publikum will nicht nur lachen. Die Mischung macht’s. Durch eine Publikumsumfrage könnte man ja herausfinden, was am besten gefällt. Wäre spannend!
Markus: Was „abgefeiert“ wird, hängt immer von der Erwartungshaltung und dem Musikgeschmack des Zuschauers ab. Wer zu uns kommt, weil er mehr Wert auf Commedy und unsere eigenen Texte legt, der wird bei Ronald Heisers „Dich zu schieben“ – ich glaube, der Sänger heißt so ungefähr – oder beim unvermeidlichen Howie ablachen müssen, aber auch beim Udo-Jürgens-Medley auf seine Kosten kommen. Wer auf krachledernen Humor steht, wird Patrick Schweißie mit „Time Of My Life“ super finden. Aber nicht jeder mag unseren Ali in Damenunterwäsche sehen. Ich z. B. singe das ganze Stück mit geschlossenen Augen. Aber zum Glück müssen da ja nicht die Töne raus.
Rund 50 Konzerte im Jahr, seit fast 14 Jahren mit immer noch wachsendem Erfolg im Radius von gut 100 Kilometern um Hagen a. T. W. unterwegs, insgesamt mindestens 250000 Besucher – da müsste man doch allmählich als „steinreiche Erbonkel“ durchgehen. Macht Erfolg sexy?
Andreas: Kann schon sein, aber ich wäre in puncto Körpergröße und meinem immer noch strahlenden Blendaxlächeln auch ohne die Company ein Aushängeschild. Die Gruppe kann von meiner Erscheinung optisch nur profitieren.
Ulli: (kichernd) Wenn man dich denn überhaupt im Publikumsbereich visuell ausmachen kann, lieber Andreas!
Michael: Glücklicherweise findet meine Frau mich auch ohne Erfolg sexy – hat Sie wenigstens letzte Woche noch gesagt.
Überzeugungstäter in der Company, Wiederholungstäter im treuen Publikum – eine große Familie?
Markus: Überzeugungstäter ist vielleicht nicht ganz der richtige Ausdruck – das hieße ja beinahe, dass man das mit der Company anfänglich gegen seinen Willen getan hätte. Aber den Kern trifft es schon irgendwie: Es ist immer noch – auch nach 13 Jahren! – ein tolles Gefühl, anderen Menschen Spaß zu bereiten und selbst Spaß dabei zu haben. Dass wir viele „Wiederholungstäter“ im Publikum haben, zeugt vielleicht davon, dass die Leute unsere Art einfach mögen, uns im Gegensatz zu vielen synthetischen Fernsehprodukten für authentisch halten, eine gegenseitige Sympathie spürbar ist. Wenn das so ist, dann sind wir dafür sehr dankbar.
Klassiker, neue Arrangements und Show-Dramaturgie – gibt’s da nicht mal Reibungspunkte untereinander?
Ali: Markus und ich arrangieren Songs, die wir für unser Sextett als geeignet ansehen. Natürlich gibt es da unterschiedlichen Zuspruch. Erst wird aber geprobt, und dann merken wir schon, wo noch was geändert werden muss. Ich kann mich nicht erinnern, dass irgendein Arrangement abgelehnt wurde.
Die Bass-Stimme als jüngstes Rädchen im geölten CCC-Getriebe – das ist neu. Wie fühlt man sich zwischen den alten Hasen?
Jörg: Absolut wohl. Offensichtlich hält Singen frisch. In so einer lockeren Atmosphäre macht es wirklich Spaß zu arbeiten. Mit dem Alter ist es übrigens genauso wie beim Wein: Je älter, desto besser!
Urlaub wird ja wohl kaum zusammen gemacht, zu welchem Konzert könnte denn ein gemeinsamer Betriebsausflug führen?
Ali: Spontan würde ich sagen – Elton John. Es gibt aber sicherlich einiges, wo alle Bock drauf hätten. Ich werde bei der nächsten Probe mal nachfragen.
Ulli: Im nächsten Jahr kommen die Stones nach Deutschland zu ihrer fünftletzten Abschiedstournee. Diese könnten wir gemeinsam erleben, damit wir den Eindruck bekommen, wie es ist, wenn du selbst in 20 Jahren mit Sauerstoffzelt im Gepäck noch auf der Bühne stehen möchtest.
Beruf, Familie, bald 14 Kinder – wie bekommt man das ohne „Verletzungen“ unter einen Hut?
Ulli: Ali und ich brauchten früher einen größeren Hut als die anderen. Jetzt sind die Kinder groß, und wir beide haben den Hut an Markus, Jörg und Andreas weitergegeben. Unsere Frauen stehen hinter uns. Keiner von uns musste in den letzten 13 Jahren vors Familiengericht. Die große Überraschung, mit dem Beruf klappt es auch, da uns kein Management vorschreiben kann, wo und wann wir zu singen haben.
Jörg: Das Singen ist zwar sehr zeitaufwändig, aber da ich als Lehrer auch nachmittags für meine Familie da sein kann – dafür allerdings die Nächte am Schreibtisch verbringe! –, relativiert sich dieser Zeitaufwand.
Apropos eigener Nachwuchs – eigentlich müsste man doch allmählich als Unterbau die „CCC-A-Cappella-Rebellen“ aus der Taufe heben?
Ulli: Bisher ist keines unserer Kinder so bekloppt!!!
Was die Wise Guys, BAP und Höhner für Köln sind, ist CCC als Exportschlager für Hagen a. T. W. und das Osnabrücker Land – träumt ihr vom überregionalen Hit?
Andreas: Ich glaube, wir sollten zufrieden sein, was wir in den vergangenen 13 Jahren gestemmt haben. Das war Arbeits- und Zeitaufwand genug. Der Erfolg gibt uns Recht! Weitere Entfernungen mit Übernachtungen liegen uns nämlich nicht. Ein überregionaler Hit könnte also eher sogar schädlich für uns sein.
„Best of“-CD und DVD zum 15-Jährigen, Abschiedsgala zum 25- oder 30-Jährigen – wird schon so weit gedacht?
Michael: Aufhören mit 65 oder 70 wäre viel zu früh – guck dir Johannes Heesters an: Ich werde 100 Jahre alt… !
Ulli: Der ist ja noch schlimmer als die Stones, nein aber im Ernst: Wir planen schon zum 15-Jährigen ein „Best of!”-Programm. Die Song-Folge sollen die Fans vorher zusammenstellen. Am besten per Voting im Internet. Wählen ist momentan ja absolut „in“.
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