07.05.2006: Westfälische Nachrichten

Ein bisschen verrückt und unheimlich sympatisch

Von Axel Engels

Telgte – Die sechs Herren der Cale Copf Company brachten am Freitag- und Samstagabend den Saal des Bürgerhauses zum Beben. Zahlreiche Fans des A-Capella-Gesangs ließen sich dieses doppelte Ereignis zum Ausklang der städtischen Kultursaison nicht entgehen. Schließlich ist die Cale Copf Company seit über 13 Jahren Garant für gute Unterhaltung mit ihrer exzellenten Musik und der mitreißenden Bühnenshow.
Mit dem Programm Gutn Tach verwöhnte sie ihre Fans von der ersten Minute an. Dabei ist ihr Konzept eigentlich simpel. Man nehme sechs Männer, die unheimlich Spaß am Gesang haben. Gebe ihren Stimmbändern diverse Ohrwürmer zum Verarbeiten, unterlege das Ganze mit humoristischen Texten. Dazu kommt eine riesige Prise ausgefeilter Mimik und Gestik, und gewürzt ist das Ganze mit einem Mix aus Individualität, Komödiantentum, und Spontaneität. Und natürlich müssen die ausgefeilten Arrangements perfekt umgesetzt werden, schließlich soll bei aller Hemdsärmeligkeit die Musik auf hohem Niveau erklingen.

Da wird dann Alfons Sieckmann zur prallen Pommesschönheit Marianne, Uli Pommer zum kettenbehängten Obermacho Patrick Schweißy und zu Melodien aus Dirty Harry legen sie einen perfekt sinnlichen Tanz aufs Parkett. Und auch Dich zu schieben von Roland Heiser vergisst man nicht so schnell. Zwischen Fanpost und gegenseitiger Neckerei gibt es ein Pottpüree von Elton John, besucht Stevie Wonder Telgte und offenbart seine geheime Leidenschaft bei Music was my first love. Mit sportlichem Esprit gehen die Herren über zur Fitness-Übung mit Bällen, die an Stocks erinnernd jedem Freizeitstudio Konkurrenz machen könnte. Für die CCC ist eben der Ball nicht nur rund, sondern er eignet sich auch wunderbar zum rhythmischen Austoben. Mit einem teils bitterböse textlich untermauerten Medley Ich war noch niemals bei McDoof à la Udo Jürgens schloss der erste fulminante Streich, worauf im zweiten sich die Herren noch steigerten.
Wer die rote LP Odessa von den Bee Gees im heimischen Plattenschrank hat, weiß die Kostbarkeiten sicherlich noch mehr zu schätzen, die die Cale Copf Company in ihrer lockeren Art präsentierte. Und musikalisch waren die Melodien von Andrew Lloyd Webber sicherlich ein Hochgenuss, man kann die vielen Probenstunden dieses Parts bei solcher Perfektion nur erahnen. Mit welcher Liebe zum Detail am Ende Michael Wolf mit Perücke und Armbändchen bewehrt zum Hau-ab-Howie Carpendale mutiert, muss man einfach erlebt haben. Für das Publikum waren diese zwei Abende mit Zugaben wie Radar love ein mit amüsantem Slapstick und feinsinnigem Klamauk arrangiertes Menü, das selbst bei wiederholtem Genuss keine bleibenden Schäden hinterlässt. Denn auch die Hände erholen sich irgendwann vom kräftigen Applaudieren.

 

© 2010 Cale Copf Company – Anmelden