18.09.2008: Bramscher Nachrichten

Zwischen Zahnarzt und Billigjeans

von Ludger Rehm

Wir werden sie noch eine Weile haben. Allen Abschiedsängsten zum trotz:
die CCCs wird es noch wenigstens zwei Jahre geben. Ab 2009 wird ein neues
Programm aufgelegt, mit dem zwei Jahre lang munter durch die Lande getourt
wird: „Feierabend“. Ob es wie angekündigt das definitiv letzte sein wird,
möchte man bezweifeln.

Vor wenigen Jahren noch vermeldete Frontman Michael Wolf:
„Aufhören mit 65 oder 70 wäre viel zu früh – guck dir Johannes Heesters an:
Ich werde auch 100 Jahre alt!“ Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln,
auch wenn unverändert von einer Abschiedstournee die Rede ist.
Am Dienstagabend standen die sechs Kehlköpfe wieder einmal auf der Bühne
des restlos ausverkauften Universum-Kinosaals. Noch ein Jubiläumsgeschenk,
das der Universum e.V. seinen treuen Zuschauern und Zuhörern macht.
Und was für eins. Als die CCC sich kurz vor elf Uhr mit dem Rock ’n’ Roll
„Barbara Ann“ durch die Gassen des Saals zum CD-Verkaufstresen durchrockten,
tobte der Saal und gab Standing Ovations.

Was macht diese Formation so einzigartig? Da stehen ein Friedhofsgärtner,
ein in die Jahre gekommener Lehrer, ein schnöder Verwaltungsleiter,
ein Software- und ein Treckerspezialist und, man höre und staune,
ein Textilkaufmann auf der Bühne, singen ein bisschen, machen Faxen und Comedy,
und das Publikum rastet aus. Es ist diese einzigartige Mischung aus Hobby
und Professionalität. Die CCC hat es tatsächlich geschafft, sich die Frische,
die Hemdsärmeligkeit, die Spontaneität und Impulsivität der Gründungsjahre
zu erhalten, bei stetiger musikalischer und komödiantischer Perfektionierung
und Professionalisierung sowie bei immer wieder erfrischendem und authentischem
Kontakt zum Publikum.
„Es ist ein tolles Gefühl, anderen Menschen Spaß zu bereiten und selbst Spaß dabei zu haben“,
sagt Markus Weber, und das könnte das Lebensmotto der CCC sein.

In Bramsche lassen sie in bekannter Manier die Größen des Showbusiness
von den Toten auferstehen. Da ist die vollbusige „Mumie“ Sarah Leander,
der Tausendsassa Udo Jürgens, der sich ständig in den Schritt seiner „Billigjeans“
greifende Michael Jackson, der mit Kuscheltieren beworfene Robbie Williams,
Elton Johns Titelsong zum Musical „König der Löwen“ und natürlich
die schwarze Lady (mit Zahnschmerzen) der Rockformation Uriah Heep sowie
last not least charming Howard Carpendale. Ach, und da gab es ja auch noch
die Sailors mit ihren massenhaften Girls und die Super-Ostfriesen-Soul-Band
„Hein und seine Bruhnsbüttel“, die als „erster singender Komposthaufen Deutschlands“
– und als ehemalige Vorband von ABBA – S.O.S. intonierten.
Musikalischer Höhepunkt dürfte das mit komplizierten polyrhythmischen Pattern
ausgearbeitete Golden-Earring-Arrangement „Radar Love“ gewesen sein: Kompliment!

Und immer hält die CCC die Balance zwischen Music, Comedy, Performance,
zwischen Slapstik und A-cappella-Gesang, nie wird es platt, nie wird es trivial,
nie wird es langweilig. Das ist schon eine hohe Kunst der musikalischen Unterhaltung.
Die Cale Copf Companie präsentiert sich als gereifte Boy-Group, die sich ein breites,
einfallsreiches, virtuoses und unterhaltsames Repertoire erarbeitet hat,
dem in jedem Fall genug Power und Esprit für weitere achtzehn Jahre zu wünschen wäre. Oder?

 

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