01.03.2009: Interview ON am Sonntag

Rote Karte von unseren Frauen für das Outfit

Osnabrück. – Osnabrück – Sie füllen die größten Arenen der Region. Sie sind ein Phänomen. Bodenständig und sympathisch. Viermal füllen sie in diesen Tagen allein die Osnabrückhalle, der angekündigte Rücktritt mobilisiert die Massen erst recht. Die Cale Copf Company denkt ans Aufhören. Die Vorbereitungen des wohl letzten neuen Programms laufen auf vollen Touren.

Ali, Andreas, Jörg, Markus, Michael und Ulli arbeiten bereits seit einem Jahr an diesem Projekt. Man könnte meinen, das neue Programm „Feierabend” stehe für eine abschließende Reflektion des Schaffens der Gruppe, aber eine Art „Best of” wird es nicht geben. Viele berühmte Persönlichkeiten, Stars und Sternchen treffen auch dieses Mal zum Stelldichein für einen vergnüglichen Abend aufeinander. Robbie Williams Comeback darf ebenso gefeiert werden wie das eines in vergangenen CCC-Konzerten gern gesehenen Sängers aus dem südafrikanischen Durban. Ein Hauch Rockmusik der Gruppe „Tiefes Purpur” wechselt sich mit einem Schmachtfetzen von Erhard Rudolf Hans (Rudi) Schuricke ab. Dunkelster RAP aus den Straßenschluchten der Stadt Melle begegnet schrillster „Neuer Deutschen Welle”. Für die beiden Billys holt Harry schon mal den Wagen… Und auf die Fragen von ON-Redakteur Werner Hülsmann fiel den reifen Sängerknaben auch jede Menge ein. Zugaben? Die Abschiedstournee für „Ali” Sieckmann (52), Andreas Strotmann-Ruhe (48), Michael Wolf (53), Markus Weber (44), Jörg Hilpert (41) und Ulli Pommer (48) wird jedenfalls verdammt lang.

 „Gut’n Tach”, meine Herren! Sechs unglaubliche Stimmen eilten von Hagen a.T.W. in einem immer rasanteren Radius zu „Welterfolgen”. Das neues Programm „Feierabend!” soll nach Verrichtung fröhlich in die Tat umgesetzt werden – wie fühlt sich das denn so an?
Markus:
Tja, frag’ mich in zwei Jahren noch mal! Oder in fünf Jahren, bei unserem Comeback.
Michael: Die Vorverkaufszahlen sprengen ja alles bisher Dagewesene. Allein die Osnabrückhalle ist viermal ausverkauft! Da frag ich mich manchmal schon, warum wir eigentlich aufhören – zumal der Spaß am neuen Programm riesig ist.
Jörg: Total gut. Endlich vor Publikum und nicht nur im „Probenkeller”.
Andreas: Ich muss sagen, dass wir in so kurzer Zeit – vom September bis Januar – noch nie so viel geprobt haben. Fast jede Woche zwei Proben plus Konzerte plus zig Intensivtage in Saerbeck. Aber das Schönste daran ist, dass wir dadurch total relaxt die Premiere angegangen sind. Einziges Problem war unser eigens in der Stadt ausgesuchtes Bühnen-Outfit – topschrille und todschicke Hemden auf der modische Überholspur. Wir bekamen dafür von unseren Frauen die Rote Karte, und mussten dringend umdisponieren, um Theater zu Hause zu vermeiden.
Ulli: Wir haben das neue Programm bereits sechsmal aufgeführt, und der Erfolg war umwerfend. Ich glaube, wir liegen mit unserer Musikauswahl und den dazu gehörenden Gags wieder mal goldrichtig. So wirklich an den richtigen „Feierabend” kann ich jetzt noch nicht denken.
Ali: Endlich ist es soweit – großartig. Wir haben irre viel gearbeitet und sind froh, dass der Knoten jetzt geplatzt ist.

Wie haben die Fans auf die Feierabend-Botschaft reagiert – mit panikartigen Kartenkäufen, Tränen oder Demonstrationen?
Ulli: Es war schon ein Knaller, auf der Titelseite der NOZ zu stehen. Zumal die Lesenden besagten Artikels gar nicht bis zu Ende gelesen haben. Es prasselte nur so auf uns ein mit Fragen wie z. B.: „Wann und wo ist denn dieses Abschlusskonzert?” Dass wir in Vorbereitung der Feierabend-Tour waren, haben unsere Fans erst einmal nicht begriffen.
Ali: Ich bin echt überwältigt, wie viele Karten schon verkauft wurden. Die Fans haben großes Vertrauen in uns. Einige können mit der Feierabendgeschichte nicht so gut umgehen und sind sehr traurig, haben dennoch viel Verständnis.
Markus: Trifft alles zu – letzterer Punkt allerdings beschränkte sich auf die Demonstration von Desinteresse bei den Leuten, die immer sagen: „Ach ja, soll ja toll sein, ich wollte euch auch immer schon mal sehen, hab’s aber bisher nie geschafft.” Haha!
Andreas: Ich hätte jetzt Bock auf ein Stück Kuchen…
Michael: Bei den bisherigen Konzerten des neuen Programms hatten wirklich einige Leute Tränen in den Augen, und viele bedankten sich für den Spaß, den sie durch uns in den letzten Jahren hatten. Letzteres beruht allerdings auf Gegenseitigkeit.
Jörg: Unsere Fans sind einfach super! Ich glaube, die Vorfreude auf unser neues Programm ist bei unseren Fans genau so groß wie bei uns.

Okay – bis 2011 geht’s ja wohl weiter. Der Blick auf den Tourplan ist ja sensationell. In einigen später eroberten Städten wird noch das zweite Programm gespielt – Kundenservice total?
Michael: Genau. Vielleicht dauert’s dann noch bis 2012!
Ali: 2011 ist für mich ein bedeutendes Jahr, denn dann gibt es die CCC 20 Jahre. Genug Grund für ein großes Abschiedsevent. Manchmal ist es schon verwirrend bei den fünf Programmen, die mal so eben abgerufen werden sollen. Bislang hat’s Gott sei Dank hingehauen.
Ulli: Wir haben fünf unterschiedliche Konzertprogramme, welche wir ohne großen Vorbereitungsaufwand aktuell aus der Schublade ziehen können. Festzustellen ist immer wieder, dass uns auch ein vermeintlich altes Programm wie „Achdieschonwieder” von 1995 in neuen Auftrittsorten Riesenspaß bereitet. Die Musik ist zeitlos, kommt bei neu erobertem Publikum genauso gut an wie hier vielleicht vor 10 Jahren. Die Gags werden aktualisiert, fertig.
Andreas: Was ist denn jetzt mit dem Kuchen?
Markus: Eindeutiges Jein! manche Kunden haben Vorstellungen – das kann man sich gar nicht vorstellen! In der Tat sollen aber auch die Spät-Städte die Möglichkeit haben, unsere gesamte Bandbreite kennen zu lernen. Ein comedy-kulturbegeisterter Amtsleiter oder Vereinsvorsitz kann uns so vier Jahre nacheinander seinem Zielpublikum anbieten, ohne dass wir zur „Wiederholung” werden. Außerdem meinen wir nicht, dass das neueste Programm auch das Beste ist – alle Programme von uns sind gut!
Jörg: Ja. Meiner Meinung nach unterscheiden wir uns von anderen Gruppen gerade dadurch, dass wir mittlerweile fünf verschiedene Programme anbieten können. Für jeden Geschmack ist sicherlich etwas dabei.

Kein „Best of”, kein Aufwärmen alter Suppen – „Feierabend!” ist ein komplett neues Programm. Von „Tiefes Purpur” – „ Smoke on the water” ist ja garantiert die ultimative Nichtraucherschutz-Hymne – bis Heintje, von der Neuen Deutschen Welle bis zum „Krimi-Medley” ist alles drin… Wer erlebt denn wo seine besondere Sternstunde?
Ulli: Heintjes Mama! Das Solo singe ich zwar nicht, aber auf mein Drängen hin, nahmen wir diesen wunderbaren Song auf. Sicherlich einzigartig in der a-cappella-Szene, aber wer sonst als die CCC kann diesem Stück noch einmal die wohlverdiente Ehre erweisen. Na ja.
Ali: Ankündigungen neuer Programme sind für mich die Verpflichtung, etwas komplett Neues zu bieten. Wiederholungen mit zwei neuen Stücken versehen, als neues Programm zu verkaufen, finde ich lächerlich. Die Gegensätze der Stücke sind das, was mich begeistert. Die größte Herausforderung für mich besteht darin, beim „Caprifischer” als Leadsänger ernst und konzentriert zu bleiben, wo meine Mitsänger im Background den tollsten Quatsch produzieren.
Andreas: Ich bin einfach nur begeistert von meinen Mitsängern. Ich hätte nie gedacht, das wir alten Säcke so viel Choreographie auf die Beine stellen können. Quasi 400 Prozent mehr. Irgendwann kam in Saerbeck der Kick, und dann waren die Jungs nicht mehr zu bremsen. Ob Freestyle oder cabarettartiges Beineschwingen. Alles wurde ausprobiert. Applaus, Applaus!! Und ein Lieblingsstück habe ich nicht, aber ein Lieblingsprogramm. Jetzt darfste mal raten!
Markus: Schön, dass das auch mal lobend erwähnt wird, dass wir bisher jedes Programm tatsächlich immer komplett neu aufgestellt haben. Lieblingsstücke sind alle mit „eigenen” Texten und die mit „englischem” Originaltext. Das wären dann 95 Prozent des Programms. Michael: Ich finde, der RAP aus den dunklen Straßenschluchten von Melle schon ein richtig gutes Ding ist – kommt sofort hinter Howie!
Jörg: Eine besondere Sternstunde für mich ist der Eröffnungssong „Feierabend”. Ich habe ihn für uns komponiert und bin sehr gespannt darauf, wie er beim Publikum ankommt.

Eine typische Frage zum langen Abschied – was war denn bisher der unvergesslichste oder schrägste Moment in gut 17 Jahren Cale Copf Company?
Ulli: Die tollsten Momente waren immer wieder die Begegnungen mit anderen Kollegen: Lindenberg, Atze Schröder, Ingo Appelt, Carlo von Tiedemann, Bill Ramsey, Kai Ebel, um nur einige zu nennen. Der schrägste Moment war ein Gig in Bielefeld bei eine Handwerkergala: Wir hatten eine Umziehmöglichkeit in einer Dusche von 1 x 1 Meter Durchmesser. Unvergesslich: Wir waren beim Udo Jürgens-Medley im Konzert auf der Waldbühne Kloster Oesede mal so was von musikalisch raus, dass uns der Angstschweiß aus allen Poren schoss. Das Publikum meinte hinterher: „Was für ein toller Gag, war der neu?!!”
Ali: Wenn ich nur dran denke, dann krieg ich sofort einen Lachkrampf. Vor 13 Jahren sangen wir in Osnabrück auf einer Firmenveranstaltung. Wir hatten eine ganz enge Umkleide und waren alle bereit für den „Kriminal-Tango”. Hans Dammermann als Solist begann und rutschte sofort versehendlich in den Abschlussteil des Stückes. Wir standen gerade mal so auf der Bühne – da war’s schon vorbei, ca. 20 Sekunden, handgestoppt…
Markus: Schräg war ein Typ im Heckentheater Kattenvenne (!) bei einer Sonntags-Matineé, der uns völlig unmotiviert fragte: „Öi, kann ich nich’ ma’ bei euch mitsingen?!?!” Unvergesslich für mich der Moment, als ich irgendwann in den 90ern in der Stadthalle Osnabrück während des Programms von der Bühne aus den Bediensteten im Regieraum mehrfach angeschrien (!) habe, weil der Fernsehen guckte, statt endlich den Saal abzudunkeln. Er hat’s aber nicht gehört (unvorstellbar!), und mir ist mein Ausraster bis heute unangenehm. Ein bisschen.
Michael: Unvergessen bleibt auch ein Auftritt Mitte der 90iger in der Stadthalle zur Weiberfastnacht – wir wurden mit den Zurufen „Auszieh’n, Auszieh’n” begrüßt… Uns richtig zugehört hat wohl keine der anwesenden, närrisch alkoholisierten Damen.
Andreas: Torten… Wo gibt’s eigentlich noch ‘n richtiges Kännchen Kaffee dazu?
Jörg: Im Programm „Gut’n Tach” spielen wir ja eine Basketballnummer. Ich singe dabei das rhythmische Fundament. Bei einem Auftritt wusste ich plötzlich nicht mehr, wie das Rhythmuspattern geht. Ich fange an – ungefähr 3,5mal so schnell wie üblich. Ulli unterbricht mich. Nächster Versuch: Wieder verbockt. Stille im Publikum, Verwirrung – und auch wohl etwas Schadenfreude!? – auf der Bühne. Beim dritten Versuch hat es dann doch geklappt. Das war schräg!

Hinterm Lebenswerk geht’s weiter – Udo Lindenberg hat’s gerade vorgemacht. Mal spekulativ und verspielt, wie könnten denn eure „Solokarrieren” bzw. sonstigen Freizeitpläne aussehen?
Andreas: Ich denke mal, dass ich noch gar nicht weiß, was mich danach erwartet. Anders herum habe ich ja noch eine zweite Liebe neben der CCC, das ist die Freilichtbühne Kloster Oesede, an der ich seit 17 Jahren spiele. Ich glaube, da kommt so schnell keine Langeweile auf. Und außerdem, kann man sich ja auch mal einfach so an die Straße stellen und was singen, dass kann auch was bringen. (lacht) Hö, hö!
Markus: Extreme-Couching, und am Wochenende mal wieder Freunde sehen, und nicht immer nur diese Nasen hier…
Ulli: Sicherlich wird für mich auch weiterhin die Musik im Vordergrund stehen, allerdings nicht mehr so zeitintensiv. Pläne sind auf jeden Fall bereits vorhanden.
Ali: Da ich in den Jahren der CCC fast alle privaten Einladungen absagen musste, denke ich gibt es noch Nachholbedarf. Musikalisch gibt es so viele Möglichkeiten aktiv zu werden. Ich freu mich drauf.
Jörg: Ich möchte auf jeden Fall noch ein paar Jährchen als Sänger auf der Bühne aktiv bleiben. Schaun’ wir mal, was da kommt. Angebote?!
Michael: Ich denke, ich werde erst mal richtig Noten lernen, damit ich beim Comeback der CCC auch wieder mitsingen darf.

Ihr habt sogar Leute für Musik begeistert, die vorher wenig damit am Hut hatten oder lange auf „konzertantem Liebesentzug” lebten. Wie würdet ihr euer Publikum und diesen familiären Hype – das Phänomen CCC also – beschreiben?
Michael: Ich glaube, die Zuhörer honorieren einfach, dass wir auf dem Teppich geblieben sind. Immer wieder hört man Sätze wie „Das sind die Jungs von nebenan”, obwohl speziell ich mit 54 ja eigentlich aus dem Jung’salter schon länger raus bin.
Jörg: Einfach genial. Ich kann es gar nicht weiter beschreiben. Mir fehlen die Worte. Vielleicht nur ein Zitat aus einem unserer Songs: „Ohne euch wären wir jetzt nicht hier!”
Markus: (grinst) Haben wir Leute „für” Musik begeistert? Ich dachte bisher, wir hätten sie „mit” Musik und Comedy begeistert, oder zumindest halbwegs gut unterhalten. Lachen ist die beste Medizin – und bei der Rezeptur kommt’s eben auf die Mischung an. Lachen und Glücklichsein steht bei den Menschen auf der Beliebtheitsskala ganz oben, deswegen kommen auch Leute von 8 bis 80 zu uns.
Ulli: Ein großer Teil unseres Publikums hat unsere Konzerte bereits fünf- bis zehnmal oder öfter besucht. Es scheint keinerlei Verschleißerscheinungen in den vergangenen 17 Jahren zwischen Fans und der CCC gegeben zu haben. Ich betitele unser Publikum als „liebe, nette Wiederholungstäter”. Andreas: Kuchen für alle!
Ali: Unterhaltung mit dem Anspruch sich bis an seine Grenzen zu fordern, führt glaube ich immer zum Erfolg. Der glückliche Zufall, dass sich zum Gesang auch noch die Comedy gesellte, ist grandios.

Das Musikgeschäft hat ja Gesetze, Jubiläen und Comebacks funktionieren nicht nur bei den Eagles, AC/DC oder den Stones. Meine Prognose: Im Jahr 2016 oder 2017 – je nach persönlicher Zeitrechnung – kommt unter dem Titel „Wieder da und gleich wiedererkannt” die große Reunion-Tour?
Ulli: Ich glaube, die „Rollato(u)r der CCC” wird es nicht geben.
Markus: Sicher. Nicht. Ausgeschlossen. Dass…
Ali: Wenn sich für mich das Leben ohne CCC nicht mehr leben lässt…Vielleicht ruf ich dann: Helft mir…
Andreas: Niemals geht man so ganz. Ich geh jetzt zum Bäcker. Basta.
Michael: Eine Zeile in unserem letzten Stück beantwortet die Fragen nach einem Comeback vielleicht: „Ooooch na ja, warum, vielleicht, es könnt ja geh’n, man hat’s an Carpendale geseh’n!”
Jörg: Sag niemals nie.

 

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