11.06.2009: Blickpunkt

Feierabend – Wir gehen in Rente
Cale Copf Company auf der ausverkauften Waldbühne gefeiert

Koster Oesede
Nicht, dass es die Fans wirklich glauben, aber man kann ja nie wissen:
Die sechs CaleCöpfe haben angekündigt, dass das Programm
“Feierabend” ihr letztes sein wird. “Man soll gehen, wenn es am
Schönsten ist”, heißt es zum Schluss des neuen CaleCopfCompany
Programms, mit dem Ali Sieckmann, Andreas Strotmann-Ruhe,
 Jörg Hilpert, Markus Weber, Michael Wolf und Ulli Pommer seit
Januar und wohl noch eine ganze Weile über die Bühnen der
näheren und weiteren Umgebung touren. So auch am 3. und am 4. Juni
auf der ausverkauften Waldbühne Kloster Oesede.
Es war zwar lausig (schafs-) kalt, aber die sechs A-cappella-Musiker
aus Hagen wissen ihrem Publikum, dass sich mit warmen Jacken
und Decken zünftig gerüstet hat, gehörig einzuheizen.
Und das das Wetter im Nordwesten “meistens Scheiße” ist,
besingen die CaleCöpfe gleich bei ihrem ersten Song,
indem sie darüber nachdenken, wie man seinen Feierabend
oder Lebensabend sinnvoll gestaltet.
Google Stichworte zum Thema “Arthritis, Prostata und
zu hoher Blutdruck” lösen verständlicherweise keine Begeisterung
aus: “So hab ich mir das nicht vorgestellt” – doch das Publikum,
das offensichtlich ganz ähnliche Erfahrungen mit den Themen
Wetter und Gesundheit hat, ist gewonnen.
Der Abend kann beginnen. Und so geht es Schlag auf Schlag:
Ein einfallsreiches, virtuoses und unterhaltsames Hopping durch
die verschiedenen Stile der jüngeren (POP)Musikgeschichte
sowie die Höhen, Tiefen und – ja, auch – Untiefen des Humors
nimmt seinen ungebremmsten Lauf. Zwar wollen die CaleCöpfe
das Programm nicht als eine abschließende Reflektion ihres Schaffens
verstanden wissen, wie sie auf ihrer Homepage mitteilen:
Eine Art “Best of” wird es nicht geben, dennoch reiht sich ein
musikalischer Höhepunkt an den nächsten, wechseln sich
A-cappella-Gesang, Comedy und Performance in bestens
abgestimmter Mixtur ab: Das beginnt mit dem “kleinen grünen Kaktus”,
der – wer hat’s erraten? – nach der Melodie von
“Rote Lippen soll man küssen” daher kommt, gefolgt von einem
kleinen armen “Gigolo” und Rudi Schurikes “Capri Fischer”
aus den 50 Jahren, das macht vor Schnulzen von Howard
“Howie” Carpendale oder Heintjes “Mama” nicht Halt, lässt aber auch
Deutschrocker Udo Lindenberg und Klaus Lage nicht aus.
Auf Lages “1000 x berührt” textet Markus Weber einen
witzig-ernsten Rückblick auf das Schaffen der Gruppe:
“1000 x gesingt, manchmal hat es nicht geklingt”,
der zudem einen gewissen Einblick in das Gefühlsleben
der Sänger erlaubt: “Wir sind als Boygroup viel zu alt,
das jetzt Feierabend ist, das lässt uns nicht kalt”.
Bevor jedoch Rührung aufkommen könnte, wenden sich
die Sänger der neuen deutschen Welle der 80er Jahre zu
und geben “Major Ede” Stoiber, der CSU und Europa in
einem sich dem politischen Kabarett annähernden Song
ihr Fett, was vom Publikum mit besonders viel Beifall honoriert wird.
Mit einer perfekten Stilkopie des Deep Purple Titels
“Smoke on the water”, in der sich besonders Ali Sieckmann
und Andreas Strotmann als Rocksänger verausgaben,
wird das Publikum in die Pause entlassen.
Als es nach einer knappen halben Stunde weitergeht,
steht schon der Mond am Himmel – was dem absolut genialen
Krimimedley aus den TV Melodien von Mission Impossible,
Kommissar, Derrik, Tatort und James Bond einen besonderen Kick gibt.
Die a-cappella Sänger imitieren mit ihren Stimmen die Musikinstrumente
- ein musikalischer Höhepunkt. Auch als Robbie Williams Coverband
machen die sechs mit dem Titel “She’s the one” unterwandert von
einem rhythmischen “Take-That” Gemurmel im background.
 - eine wirklich gute Figur”. Nach einer die Lachmuskeln
strapazierenden Comedy-Einlage über eine 14-tägige
Power-Wellness-Kur “in Holte Stukenbrock” wechseln die CCC
wieder einmal das musikalische Metier und präsentieren erstmals
“dunkelsten Rap aus den Straßenschluchten von Melle”, einen Abriss
der Bandgeschichte im Sprechgesang: den Anfängen im kleinen
Kreis 1991 folgte eine unerwartete Karriere – “in einem Monat
13 mal Hagen gerockt”-, der NDR rief an, Tourneen bis zu den
ostfriesischen Inseln, fünf abendfüllende Programme, und, und, und.”
Nur eines hatten wir uns anders vorgestellt, mehr Groupies und mehr Geld”
Das ist nicht wirklich ernst gemeint, wohl aber der Dank an
das treue Publikum, das seine CaleCöpfe mit stehenden Ovationen feiert.
Da tröstet eine Zeile im letzten Stück, das die Frage nach einem
Comeback offen lässt: “Ooooch na ja, warum, vielleicht,
es könnt ja geh’n, man hat’s an Carpendale geseh’n.”
Und auf jeden Fall gibt es noch viele Feierabendtermine.

Pep

 

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