09.03.2010: Meppener Tagespost

Eine Erfolgsgeschichte geht zu Ende

Gerd Mecklenborg
Meppen:
Irgendwann geht alles einmal zu Ende. Auch die Erfolgsstory von sechs begnadeten A-cappella-Sängern. Was sein muss, muss sein. Auf dem Höhepunkt ihres Könnens treten sie nunmehr von der Bühne ab und verabschiedeten sich auch in Meppen von ihrer großen Fangemeinde sehr, sehr stilvoll. 

Am Ende des Konzertes der Cale Copf Company im Meppener Windthorst-Theater, als die CCC-Protagonisten singend und langsam durch die Zuschauerreihen schreitend das Theater verließen, schwang dann im tosenden Applaus auch viel Wehmut mit.

Den lang anhaltenden Beifall hatten sich Ali Sieckmann, Andreas Strotmann-Ruhe, Jörg Hilpert, Markus Weber, Michael Wolf und Ulli Pommer redlich verdient. Honoriert wurde ein Konzertabend mit A-cappella-Gesang vom Allerfeinsten. Es erübrigt sich an dieser Stelle, das gesangliche Können und die Professionalität dieser Ausnahmekünstler zu beschreiben oder gar zu bewerten. Wurde alles schon tausendmal gemacht und tausendmal gerühmt.

In Meppen sinnierten die „Cöpfe“ musikalisch darüber, wie sie wohl ihren verdienten Feierband sinnvoll gestalten könnten. Und das bei uneingeschränkter Ignoranz von Arthritis oder Prost ata. Ja, den Sarkasmus, den lieben sie und zelebrierten ihn natürlich auch in Meppen. Fast bis zur Unverschämtheit. Aber das kam an, besonders beim weiblichen Teil im Auditorium, während sich viele männliche Geschlechtsgenossen ertappt fühlten und sich wiedererkannten. „Ja, Kollege, so is das nun mal, gelle?“ Musikalisch gaben die „älteren Jungs“ dann einen Querschnitt der gesamten Musikszene zum Besten. Immer virtuos, immer galant und trotzdem rotzfrech.

A cappella? Da durfte natürlich auch der kleine grüne Kaktus nicht fehlen. Nur, was war denn das für eine Melodie? Das Meppener Publikum riet falsch. Entsetzen bei den Cöpfen auf der Bühne: „Nein, nein… die von ‚Großer Gott, wir loben dich‘ war es nicht!“ Typisch Emsland. Dann wurde das CCC-Programm runterzelebriert. Ein „Best of“-Festival. Das darf, das muss sein zum Abschied. Und immer das Thema Feierabend oder „Revue passieren“. Bestes Beispiel: Aus Klaus Lages „1000-mal berührt“ wurde „1000-mal gesingt, manchmal hat es nicht geklingt“. Aber in Meppen hat es gut „geklingt“. Bis zum melancholischen Abschied. Auf der Bühne wurde die Company vorher bereits von illustren Gästen verabschiedet. Als da waren Udo Lindenberg, Deep Purple, Heintje aus Holland und natürlich – unvermeidlich – Howie Carpendale. Der kam natürlich erst bei der Zugabe auf die Bühne und wollte gar nicht mehr runter. Und dann folgte der Schlussakkord.

08.03.2010: Westfälische Nachrichten

Humorvoller musikalischer Abschied

VON MERETE ELIAS 

Telgte – „Ein letztes Mal haben wir euch was zusammengestellt und hoffen einfach, dass euch dieser Quatsch gefällt“: Schon im Begrüßungslied der Cale Copf Company war der Charakter des Abends zu erkennen. Im ausverkauften Bürgerhaus begeisterte das Sextett sein Publikum mit humorvollen Texten, fantasievollen Kostümen und Comedy-Einlagen.
„Feierabend“ heißt das Programm, mit dem die Gruppe derzeit unterwegs ist, und wie der Name schon sagt, soll es die Abschiedstournee der A-Cappella-Gruppe sein. Grund genug für Ali Sieckmann, Andreas Strotmann-Ruhe, Jörg Hilpert, Markus Weber, Michael Wolf und Ulli Pommer, auf der Bühne noch einmal alles zu geben. Dennoch wurde der Abend keine sentimentale Rückschau mit dem „Best of“ der Bandgeschichte. Die Cale Copf Company packte neue Texte zu bekannten Melodien, die beispielsweise den aktuellen Wetterfrust behandelten oder das WM-Fieber von 2006 zu „Aint no sunshine“ noch einmal aufleben ließen.

Auch der „Kleine grüne Kaktus“ durfte nicht fehlen, wenn auch in modernisierter Fassung. Beim Medley aus 80er-Jahre-Melodien wurde „1000 Mal berührt“ zur einsichtigen Selbstreflexion: „Tausend Mal gesingt – manchmal hat es nicht geklingt“, intonierten die sechs Männer, unterstützt von „Gastauftritten“ von Udo Lindenberg und Klaus Lage, die unverkennbar waren. Besonders diese komödiantischen Einlagen und dazwischengeschobenen Anekdoten begeisterten das Publikum: So konnte es kaum an sich halten, als Heintjes „Mama“ aus einem überdimensionalen Kinderwagen erklang, den eine strickende Holländerin auf die Bühne schob. Mindestens genauso liebevoll ausgestattet waren die 70er-Jahre-Rocker, die auf aufblasbaren Luftgitarren „Smoke on the water“ spielten und dazu die Perücken schüttelten.

 

Auch die Flirttipps für junge Männer in der Badeanstalt brachten den Saal zum Kochen, was die „Köpfe“ gleich zum nächsten musikalischen Thema überleitete: Auch die Liebe durfte, in leicht satirischer Manier, nicht fehlen, ebensowenig wie Howard „Howie“ Carpendale, „der zu uns gehört wie die Butter aufs Brot“, so die Sänger.

Aktueller wurde es mit Robbie Williams: Die Interpretation seines Hits „Shes the one“ führte zum Gänsehauteffekt.

Wie sehr sie ihr Publikum mitreißen kann, zeigte die Cale Copf Company beim Stück, das die Bandgeschichte erzählte – und zwar als Rap-Musikstück: Da wurde das Bürgerhaus zur Hip-Hop-Halle, denn alle Zuschauer machten fleißig die typische Armbewegung mit – während die Männer auf der Bühne die Anfänge ihrer Gruppe vor 19 Jahren Revue passieren ließen, natürlich in völlig überdimensionierten Rapper-Klamotten. Mehr als zweieinhalb Stunden lang hatte das Ensemble sein Publikum fest im Griff, nicht zuletzt dank der sehr guten Stimmleistung der Mitglieder.

Am Ende des sehr unterhaltsamen Abends gab es langanhaltenden, begeisterten Applaus für die Cale Copf Company, die in einem Song bereits zugegeben hatte: „Dass Feierabend ist, das lässt uns nicht kalt.“ Damit sprachen sie auch den Zuschauern aus der Seele.

 

26.02.2010: Lingener Tagespost

Viel Lob für die Cale Copf Company
Abschied für immer? 

Lingener Tagespost 26.02.2010

von Raphael Bonitz

 

Lingen.  Sie sind so gut wie nie zuvor – das soll es jetzt gewesen sein? Am Ende des Konzertes schwang bei den Künstlern oben auf der Bühne und ihrem Publikum, welches sich mit Ovationen bedankte, wohl auch Wehmut mit. Die Cale Copf Company verabschiedete sich mit dem Programm „Feierabend“ von seinen Lingener Fans – das war wohl der definitiv letzte Auftritt der 6 Jungs aus dem Osnabrücker Land im Lingener Theater, oder?

Die „Köpfe“, das ist a-capella-Gesang vom Feinsten, 120 Minuten Humor und bedingungsloser Spaß am Blödsinn. Dabei hat der Erfolg dieser Truppe, welche schon vor zum Beispiel den „Wise Guys“ oder „La le Lu“, dem Begriff „a-capella-comedy“ Gesicht und eine Stimme gab, eine ganze Reihe von Gründen, die kaleidoskopartig noch einmal ausgebreitet wurden. Sie packen neue, teils sarkastisch satirische Texte in große Hits. Toll, wenn sie „Headbangend“ mit Gummigitarren bei „Smoke on the water“ den Rocker rauslassen oder  ein überdimensionierter Kinderwagen mit einem „Mama plärrenden“ Kind auf die Bühne rollt. Der „Caprifischer“ kommt selbstredend mit der „MS Feierabend“ auf die Bühne gefahren und weist mit dem überlangen Pömpel auf die „Sterne am Firmament“, und mit einer umwerfenden Rapnummer wird die Geschichte der „Köpfe“ erzählt. Ständig spürbar, die Liebe zum Detail. Das setzt sich fort in den kleinen Spielszenen und Geschichten, welche das Programm auflockern, wie der Besuch des „Public Viewing“ (er spricht es tatsächlich so aus, wie es geschrieben wird) zum EM-Endspiel nach Berlin inklusive der Bahnfahrt mit Hooligans. Es ist ebenso der Spaß am Verkleiden und der Imitation. So gibt es selbstredend auch an diesen letzten Abenden „Gastauftritte“ von Udo Lindenberg und Klaus Lage. Und als in der Zugabe auch noch der unvermeidliche Running Gag „Howie“ Carpendale sich die Ehre gibt, da steppt im Saal der Bär. Was aber die „Köpfe“ vor allem auszeichnet, ist neben dem spürbaren Spaß an dem, was sie da machen, der wirklich hervorragende Gesang, der ganze Bands und Orchester ersetzt – und das in durchweg sehr guten Arrangements. Am ende setzen sie einen sechsstimmigen englischen Song, der allen Schauer über den Rücken jagt. Das war wohl das definitiv letzte Konzert der sechs Jungs aus dem Osnabrücker Land im Lingener Theater? Sie lassen diese Frage ohne Antwort – die nach einem Comeback! Das ist auch gut so. Man soll abtreten, wenn man am besten ist, aber man soll seinem Publikum auch die Chance zum Träumen lassen.

 

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